Zwangseinweisung in die Psychiatrie

Ich schleppte mich von Tag zu Tag.Hatte keine Kraft mehr.Nahm nichts mehr wahr.Weder Tag noch Nacht.Weder Kälte noch Hitze.Weder Zuneigung noch Streit.
Ich lebte in diesen Wochen ohne jegliche Gefühle.
Ich lachte nie,aber weinte auch nicht.
Ich dachte nicht,aber ich fühlte auch nichts.
Ich hörte nichts,aber ich redete auch nicht.
Ich starb nicht,aber ich lebte auch nicht.

Meine Eltern wussten nicht weiter.Sie reagierten oft aggressiv auf mich,ich wusste damals nicht warum..
..sie machten sich einfach Sorgen um mich und wussten sich nicht mehr zu helfen.
Eines Tages als ich wieder das Mittagessen verweigerte,brach meine Mama in Tränen aus.
Sie rief meinen Papa an und bat ihn um Hilfe.
Doch er wusste auch nicht weiter.
Er kam sofort nach Hause und drohte mir mich ins LKH (Landeskrankenhaus) zu bringen.
(Eine Bekannte von uns arbeitet dort und erzählt immer unvorstellbare Geschichten).

Er sagte ich müsse keinen Koffer packen,da ich sowieso nicht mehr lange zu leben hätte.
Ich brach in Tränen aus.Das macht ihn dummerweise immer aggressiv.

Mit meinem Teddy im Arm zog er mich ins Auto.
Im LKH wurde im gesagt sie würden keine Minderjährigen aufnehmen,er solle in die psychiatrische Notfallambulanz des hiesigen Krankenhauses fahren.
Dort würde man ihm helfen können.
Und so fuhren wir dort hin.

Ich wurde von einer Schwester untersucht und sprach mit einem Psychologen.
Sie stellten zum ersten Mal die Diagnose:
MAGERSUCHT

Ich dachte die spinnen doch.Ich fettes Kind konnte doch nicht magersüchtig sein!
So was war doch nur was für eingebildete Modells,aber ich doch nicht

Der Psychologe sagte meinem Papa ich müsse dringend in eine Kinder und Jugendpsychiatrie.Am besten noch an diesem Tag.
Mein Papa war geschockt.
Er wollte nichts ohne meine Mama entscheiden und sagte,dass wir mit der Familie drüber reden würden und dann selber in der Psychiatrie anrufen und ggf. einen Aufnahmetermin machen.
Der Arzt sagte mir es wäre schön dort,ein umgebauter Bauernhof.
Mit einer Notfallüberweisung fuhren wir nach Hause.

Zu Hause redeten wir das erste Mal wieder richtig seit mehreren Monaten zusammen.
Mama,Papa und ich.
Ich saß auf dem Boden im Wohnzimmer,mit meinem Teddy im Arm.

An diesem Abend sah ich meinen Papa das erste und bisher auch einzige Mal in meinem Leben weinen.

Für mich war/ist er immer der Starke,der alles hinbekommt,egal wie knifflig die Situation auch ist.
Doch er wusste nicht mehr weiter.
In diesem Moment stand mein Entschluss fest:
Ich MUSS etwas ändern!

Papa rief bei der Psychiatrie an:
Am nächsten Morgen sollte ich um 11:00 da sein

6.9.13 21:22

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


el commandante / Website (6.9.13 21:31)
bei mir beganns erst mit 20... dein text hat mich sehr berührt....

lg
thomas/manic depression

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